Plötzliche Trennung?

| von Axel Günther | 0

Rechtstipp der Woche, KW 31

Richtig handeln bei plötzlicher Trennung

Eine plötzliche Trennung von einem einstmals geliebten Partner löst oftmals einen Schockzustand aus und führt nicht selten zu einem Gefühl von Ohnmacht, Hilflosigkeit und Angst.

In den meisten Fällen ist den betroffenen Familienmitgliedern nicht klar, wie das Leben überhaupt weitergehen soll und erst recht nicht, was alles zu regeln ist. Wie genau erfolgt so eine Trennung? Können wir noch zusammen wohnen? Was ist mit dem gemeinsamen Konto? Es gibt viele Fragen, so manches Internet-Halbwissen und ebenso viele gut gemeinte wie auch oft falsche Ratschläge von Freunden, Bekannten und Verwandten.

Damit der von einer Trennung Überraschte nicht kopflos handelt und in juristische Fettnäpfchen tritt, geben wir den Betroffenen unkompliziert mit dem 10 Punkte-Notfall-Plan einen Leitfaden an die Hand. Auszugsweise soll auf einige wichtige Regeln hingewiesen werden:

Häusliche Gemeinschaft

Für eine juristische Trennung ist die häusliche Gemeinschaft aufzuheben. Die Trennung erfolgt für gewöhnlich von „Tisch und Bett“. Keiner verrichtet also für den anderen noch irgend welche Haushaltstätigkeiten oder Einkäufe, es erfolgen auch keine Übernachtungen mehr im gemeinsamen Bett und jeder ist für seine Versorgung alleinig verantwortlich.

Eine Trennung kann somit auch in der gemeinsamen Wohnung erfolgen, wobei sich die Partner dann eigene Bereiche zuweisen und für die Nutzung von Küche und Bad entsprechende Zeitfenster zuweisen. Erfahrungsgemäß kann das schnell zu Spannungen führen, so dass es empfehlenswert erscheint, wenn einer in eine andere Wohnung zieht.

Damit stellt sich bereits oft ein Folgeproblem: Wer soll ausziehen? Auch diese Frage sollte einvernehmlich geklärt und die gefundene Lösung am besten schriftlich festgehalten werden. Wenn  beide nicht aus der gemeinsamen Wohnung oder dem Haus ausziehen wollen, besteht die Möglichkeit, dass einem Partner die Ehewohnung zur alleinigen Benutzung durch den Familienrichter auf Antrag zugewiesen wird. Der andere Ehepartner muss dann zwangsweise aus der Wohnung ausziehen.

Nicht vergessen werden sollte, bei Auszug aus der Wohnung die bestehenden und  laufenden Wohnkosten zu regeln.

Trennungszeitpunkt dokumentieren

In jedem Falle sollte der Zeitpunkt der Trennung exakt dokumentiert werden. Der Beginn  des „Trennungsjahrs“ ein Stichtag für viele juristische Folgefragen und Hauptvoraussetzung für eine spätere Scheidung. Dokumentieren können die Betroffenen die Trennung z.B. durch ein Schreiben, in welchem sie Ihrem Partner mitteilen, dass sie sich trennen wollen. Damit aber leider noch nicht genug. Man sollten später auch beweisen können, dass der Partner von dem Schreiben Kenntnis genommen hat. Lassen Sie sich dieses Schreiben gegenzeichnen oder Sie schicken den Trennungsbrief per Einwurfeinschreiben ab. Der Beleg sollte gut aufgehoben werden.

Sicherung von Unterlagen

Ohne wichtige Dokumente ist die Regelung der Trennungsfolgen oft erheblich erschwert. Im Notfallplan geben wir den Betroffenen einen Überblick über die wichtigsten zu sichernden Unterlagen. Hierzu zählen neben den Heirats- und Geburtsurkunden aus dem Stammbuch auch Renten-, Lohn- und Versicherungsunterlagen, Grundbuchauszüge, Sparbücher und Kontoauszüge.

Eröffnung eines eigenen Kontos

Neben der Entflechtung von gemeinsamen Versicherungen und Verträgen sind auch gemeinsame Konten zu trennen. Hierzu sollte zunächst ein eigenes Konto eröffnet werden, sofern ein solches noch nicht besteht. Auf dieses sollten dann alle monatlichen Zahlungen, wie Lohn und Gehalt, geleitet werden. Sollte bereits ein eigenes Konto bestehen, ist schnellstmöglich die Partnerkarte zu sperren. Etwaige Vollmachten des Expartners sollten widerrufen werden.

Bei gemeinsamen Konten besteht die Gefahr des sogenannten „Abräumens der Konten“. Das bedeutet, dass ein Partner, obwohl eigentlich nicht erlaubt, größere Beträge von dem gemeinsamen Konto abhebt und beiseite schafft. Natürlich kann der andere Partner mit mehr oder weniger Erfolg das zu viel abgehobene Geld zurückfordern. Anzuraten ist, während der Trennungszeit die gemeinsamen Konten und Wertpapierdepots friedlich unter gerechter Teilung der Guthaben aufzulösen.

Gemeinsame Schulden

Auch nach der Trennung haften die Partner für gemeinsame Schulden. Somit sollte auch zu diesem Punkt eine einvernehmliche Aufteilung gelingen. Schwieriger wird es, wenn beide Partner gegenüber der Bank haften, die Eigentumswohnung oder das Haus aber nur einem von Ihnen gehört. Die Verbindlichkeit sollte dann dem Alleineigentümer der Immobilie zugerechnet und der anderen Partner bei der Bank entsprechend entlastet werden.

Versicherungen

Stellt sich noch die Frage nach den gemeinsamen Versicherungen. Haben die Ehegatten Versicherungen gemeinsam abgeschlossen, müssen Sie beide mit der jeweiligen Versicherung klären, wer zukünftig weiter Versicherungsnehmer bleibt. Der andere Ehepartner sollte sich schnell um eigene Versicherungen bemühen. Betroffen sind dabei häufig die Krankenversicherung, die Hausratsversicherung, private Haftpflichtversicherung sowie die Rechtsschutzversicherung.

Unterhalt und finanzielle Absicherungen

Wenn ein Ehepartner gar nichts oder weniger verdient hat als der andere Ehepartner kann er Trennungsunterhalt geltend machen. Es gibt dabei aber für denjenigen, der Trennungsunterhalt zahlen müsste, einen Mindestselbstbehalt, dessen Höhe vom Gesetzgeber festgelegt ist.

Da es grundsätzlich keinen Trennungsunterhaltsanspruch für die Vergangenheit gibt, sollten ein etwaiger Unterhaltsanspruch gegen den Ex-Partner zeitnah und dazu auch schriftlich zunächst außergerichtlich mit Fristsetzung und ggf. dann auch gerichtlich geltend gemacht werden.

Daneben sollten Betroffene bei entsprechender Bedürftigkeit auf jeden Fall staatliche Sozialleistungen, wie Wohngeld oder Hilfe zum Lebensunterhalt, beantragen werden. Eine weitere Finanzquelle könnte der Kindesunterhalt darstellen. Für minderjährige Kinder kann, wenn der Partner keinen Kindesunterhalt zahlt, zudem Unterhaltsvorschuss beantragt werden.

Zur Unterstützung und Förderung der Familien mit Kindern zahlt der Staat bekanntlich an die Eltern Kindergeld. Mit erfolgter Trennung steht das Kindergeld demjenigen Elternteil zu, der das Kind in seinem Haushalt betreut. Der andere Elternteil darf jedoch einen Teil des Kindergeldes auf seine Unterhaltszahlungen anrechnen.

 

Kinder und Kindesunterhalt

Kinder sind oft die Leidtragenden bei einer Trennung. Um so wichtiger erscheint es, dass Partner die Trennung nicht auf dem Rücken der Kinder austragen und die Kinder auch nicht als Druckmittel gegen den andern Partner einsetzen.

Das Sorgerecht haben auch nach der Trennung weiter beide Elternteile. Das alleinige Sorgerecht kann bei Vorliegen äußerst wichtiger Gründe auf Antrag durch das Familiengericht einem Elternteil übertragen werden.

Die Grundentscheidung, wo die Kinder künftig leben sollen, ist ebenfalls – wenn möglich - gemeinsam zu fällen. Einem Elternteil, bei dem die Kinder leben, kommt das Aufenthaltsbestimmungsrecht zu. Dem anderen Elternteil steht ein individuell zu regelndes Umgangsrecht zu. Als Faustformel gilt, dass der Umgang an jedem zweiten Wochenende stattfinden soll und die Eltern sich die Feiertage und die Ferien entsprechend teilen. Dass es auch hier zu intensiv geführten Auseinandersetzungen zwischen den Partnern kommen kann, liegt auf der Hand.

Ob das sogenannte „Wechselmodel“, bei dem sich die Eltern die Aufenthaltszeiten ihrer Kinder zu gleichen Anteilen teilen, eine sinnvolle Kompromissvariante darstellt, sollte im individuellen juristischen Beratungsgespräch geklärt werden.

Beide Elternteile sind gesetzlich verpflichtet, ihrem Kind Unterhalt zu leisten. Der Elternteil, bei dem das Kind wohnt und isst, erbringt den Unterhalt in natureller Form durch Betreuungsleistungen. Der Partner, bei dem das Kind nur gelegentlich oder gar nicht ist, muss sich durch Unterhaltszahlungen an der Betreuung beteiligen. Die Höhe richtet sich nach dem eigenen Einkommen sowie dem Alter des Kindes und bestimmt sich nach der „Düsseldorfer Tabelle“.

Hausrat und Haustiere

Wenn der Hausrat schon während des Trennungsjahres aufgeteilt werden soll, können vorläufige Benutzungsregelungen getroffen werden. Nach der Scheidung sind endgültige Regelungen über die Haushaltsgegenstände zu treffen. Schaffen es die Partner nicht, darüber Einigkeit zu erzielen, wird der Richter in einem umfassenden Verfahren auf gerechte Weise die Gegenstände unter den beiden Kontrahenten aufteilen.

Übrigens: Für eine Aufteilung des Hausrats spielt es keine Rolle, wer die Anschaffung der Hausratsgegenstände finanziert hat.

Sind im Haushalt lebende Tiere von der Trennung ihrer „Herrchen“ betroffen, werden diese Tiere von Gesetz her als Sachen behandelt und im Streitfalle im Rahmen der Hausratsteilung aufgeteilt.

Bei Fragen jeder Art geben wir jeden Donnerstag in unserer Kanzlei in Ribnitz von 14.00 bis 19.00 Uhr allen Betroffenen und auch den noch Unentschlossenen kostenlosen Rechtsrat. Gemeinsam erarbeiten wir einen Erste-Hilfe-Plan. Bei Bedarf begleiten wir juristisch qualifiziert durch alle anstehenden Themen. Für alle Notfälle nutzen Betroffene unsere Notruf-Hotline unter 03821-815973 oder nehmen hier Kontakt mit uns auf.

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Was ist die Summe aus 5 und 2?
Datenschutzhinweis:*