Sorgerecht für den Hund?

| von Axel Günther | 0

Rechtstipp der Woche, KW 3, 2021

Waldi zählt zum Hausrat

Hund
Haustiere: Kein Sorgerecht vorgesehen

Keine Scheidung ohne Rosenkrieg - Wer bekommt das Sorgerecht für den Hund?

Jährlich werden in Deutschland derzeit über 150.000 Ehen geschieden. Die Scheidungsraten schwankten in den letzten Jahren zwischen 36 und 52%. Eine Scheidung ohne Drama scheint es selten zu geben. In den letzten 20 Jahren gibt es zu diesem Thema nichts, was ich noch nicht erlebt habe. Kopfschütteln verursachte bei mir jedoch folgender Fall: Eine Frau erschien in meiner Kanzlei und verlangte von mir die Durchsetzung des geteilten Sorgerechts für den gemeinsamen Hund. Später führte sie aus, dass sie Hunde eigentlich hasse und bereits in der Ehe immer gegen den angeschafften Hund gewettert hatte. Sie war offensichtlich auf dem Kriegspfad. Der Hund war das einzige, an dem ihr Mann wirklich hing. Und genau damit wollte sie ihrem Mann eins auswischen.

Die Rechtslage:

Wenn die Ehe zu Ende geht, ranken sich um gemeinsame Tiere viele Fragen:

- Wie geht es nun weiter mit dem Tier?

- Wo wohnt Waldi künftig?

- Gibt es ein Besuchsrecht?

- Wer bezahlt Futter und Tierarzt?

- Wer hat ein Anrecht auf das Haustier?

Grundsätzlich ist es so: Haustiere werden rechtlich so behandelt wie Hausrat. Es sind also juristisch gesehen Gegenstände. Der Besitzer des Tiers darf es auch nach der Trennung behalten. Wenn der Hund eine gemeinsame Anschaffung ist beziehungsweise während der Ehe gekauft wurde, wird es schwieriger. Glücklich werden die Paare sein, die dieses Thema in ihrem Ehevertrag geregelt haben. Werden sich die ehemaligen Partner nicht einig und gibt es auch keine Regelung in einem Ehevertrag, müsste ein Richter bestimmen, wer den Hund bekommt. Bei dieser Entscheidung könnte es eine Rolle spielen, wer sich in der Vergangenheit hauptsächlich um den Hund gekümmert hat. Aber auch, wie die künftigen Lebensumstände und Wohnverhältnisse sind. Anders als bei Kindern steht bei Haustieren nicht das Wohl des Hundes oder der Katze bei der Entscheidung das Verbleibs im Vordergrund.

Beispiel: So sprach das Ober­landes­gericht (OLG) Stutt­gart einen Hund seinem Frauchen zu, als dieser schwanzwedelnd im Gerichtssaal auf sie zulief und bei ihr blieb (Az. 18 UF 62/14).

Kein Umgangsrecht. Kein Sorgerecht.

Ein gesetzliches oder richterlich anerkanntes Umgangsrecht oder gar ein Sorgerecht – wie etwa bei Kindern – gibt es bei Haustieren nicht. Etwaige Umgangsrechte beruhen auf individuellen Absprachen zwischen den Beteiligten, die immer möglich sind.

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