Erbe vorzeitig auszahlen?

| von Axel Günther | 0

Rechtstipp der Woche, KW 2, 2021

Eigentum bleibt Eigentum

Golf spielender Senior
Teure Hobbies: dem Erben ein Dorn im Auge

Fangen Eltern im betagten Alter an, noch einmal am Leben teilzunehmen und dafür Geld auszugeben, ist dieses so manchem Kind ein Dorn im Auge.

Krampfhaft wird überlegt, wie das auf elegante Art verhindert werden kann.

Ein Mandant unserer Rechtsanwaltskanzlei in Stralsund zeigte sich in dieser Frage einmal sehr einfallsreich. Er wollte seine Eltern kurzerhand entmündigen.

Er fand auch einen durchschlagenden Grund, den Eltern das Ausgeben des eigenen Geldes zu verbieten: Er zeigte dem Betreuungsgericht Verschwendungssucht an. Seine Idee: Er wollte sich als Betreuer seiner Eltern vom Gericht einsetzen lassen um so zugriff zu Ihrem Vermögen zu erhalten.

Mit solchen Kindern ist man echt gestraft - dachte sich sicher auch das Betreuungsgericht, als es den Antrag abwies.

Ein anderer Mandant versuchte es weniger spektakulär: Er wollte sein Erbe einfach zu Lebzeiten einklagen und wollte uns damit beauftragen.

Dieses gestaltete sich schwierig. Grundsätzlich greift das Erbrecht nach § 1922 Absatz 1 BGB nämlich erst mit dem Ableben des Erblassers – einen Anspruch auf das Erbe kann also nicht bereits zu dessen Lebzeiten erhoben werden.

Jetzt werden viele Eltern beruhigt aufatmen und entspannt nach Corona auf Weltreise gehen.

Allerdings gibt es Wege, wie potentielle Erben bereits vor dem Erbfall einen Teil des Vermögens erhalten können. Sie sind dabei allerdings auf Kooperation des Erblassers angewiesen.

Der Erbverzicht bietet eine mögliche Alternative, sein Erbe vorzeitig zu erhalten. Dabei überträgt der Erblasser ein Teil seines Vermögens bereits zu Lebzeiten an den zukünftigen Erben. Im Gegenzug wird ein Erbverzicht vereinbart – ein Vertrag, bei dem der Erbe im Erbfall auf sein Erbrecht verzichtet.

So kann der potentielle Erbe bereits vorzeitig ein Teil des Erbes bekommen. Da er allerdings keinen gesetzlichen Anspruch auf dieses hat, ist er auf die Kooperation des Erblassers angewiesen.

Eine weitere Alternative stellt die Schenkung zu Lebzeiten dar. Auch hier überträgt der Erblasser bereits vor seinem Ableben Teile seines Vermögens an zukünftige Erben. Im Gegensatz zum Erbverzicht werden die Erben hierbei jedoch nicht endgültig von der Erbfolge ausgeschlossen – allerdings werden Schenkungen innerhalb der letzten zehn Jahre vor dem Erbfall auf den Erbteil angerechnet.

Ebenso wie beim Erbverzicht ist hier die Kompromissbereitschaft des Erblassers notwendig. Solch eine vorweggenommene Erbfolge kann zudem auch für Erblasser sinnvoll sein, da Sie somit die Erbschaftssteuer umgehen und den uneingeschränkten Fortbestand Ihres Vermögens sicherstellen können.

Haben Sie Fragen im Zusammenhang mit Ihrem Erbe? Vereinbaren Sie einen Termin in einer unserer Kanzleien in Ribnitz-Damgarten oder Stralsund.

 

 

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